Was bedeuten das Gebäudeenergiegesetz
und energetische Sanierung?

Das Thema rund um das Gebäudeenergiegesetz (GEG) beschäftigt derzeit vermutlich jeden Immobilieneigentümer und sorgt in der Bundesregierung für vielerlei Diskussion. In der Presse existiert eine Vielzahl an Artikeln, deren Vielfalt wohl eher für Verwirrung als für Klarheit sorgt. Dieser Artikel soll Ihnen eine hilfreiche Übersicht geben, die (Gesetzes-) Neuerungen einordnen und die aktuelle Debatte anschaulich abbilden.

Inhaltsverzeichnis

  1. Die Debatte um das Gebäudeenergiegesetz
  2. Ist der Einbau neuer Gas- oder Ölheizungen künftig verboten?
  3. Was bedeutet energieeffizientes Wohnen?
  4. Was ist die energetische Sanierung? Warum ist sie sinnvoll?
  5. Welche Maßnahmen der energetischen Sanierung gibt es?
  6. Was macht ein Energieberater und warum ist er sinnvoll?
  7. Der individuelle Sanierungsfahrplan (iSFP)
  8. Welche Förderprogramme gibt es?

Die Debatte um das Gebäudeenergiegesetz

Die Novelle des GEG, umgangssprachlich auch als Heizungsgesetz bekannt, sorgte in den vergangenen Wochen und Monaten für Furore und große Uneinigkeiten in der Ampelkoalition.

Ab 2024 muss beim Einbau neuer Heizungen konsequent auf erneuerbare Energie gesetzt werden. Ab dem 01. Januar 2024 soll möglichst jede neu eingebaute Heizung mindestens zu 65 % mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Während die Regelung zuerst sowohl für Bestandsimmobilien als auch für Neubauten gelten sollte, hat die Ampel dies – hauptsächlich auf Drängen der FDP hin – entschärft, sodass die Regelung nur für Neubauten, in denen sowieso schon ein hoher Anteil klimafreundlicher Wärmepumpen verbaut wird, gelten soll. Es gebe keine Verbote und keine Eingriffe ins Eigentum und niemand solle seine funktionierende Gasheizung ausbauen lassen, so die FDP. Im GEG gibt es bereits eine Regelung, der zufolge unter bestimmten Voraussetzungen Öl- und Gas-Heizungen ausgetauscht werden müssen, die älter als 30 Jahre sind.

Das GEG sieht auch eine weitere Verschärfung des Neubaustandards vor: So wurde der zulässige Primärenergiebedarf für Heizung, Warmwasserbereitung, Lüftung und Kühlung eines Referenzgebäudes pro Jahr von bisher 75 Prozent (EH 75) auf 55 Prozent (EH 55) reduziert. Diese Effizienzwerte können sowohl über die Dämmung der Gebäudehülle als auch über die Anrechnung von Strom aus erneuerbaren Energien (sofern der Strom vollständig eingespeist wird) erreicht werden.

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Ist der Einbau neuer Gas- oder Ölheizungen künftig verboten?

Nein, aber es gibt zusätzliche Anforderungen. Wer nach dem 1. Januar 2024 eine Öl- oder Gasheizung einbauen möchte, soll vorher eine verpflichtende Beratung bekommen, bei der auf die steigenden CO2-Preise aufmerksam gemacht werden soll, die die fossilen Brennstoffe immer teurer macht, wodurch Öl- und Gasheizungen an Attraktivität verlieren (sollen).

Wenn eine Gas- oder Ölheizung irreparabel kaputt ist, soll es eine fünfjährige Übergangsfrist geben - das soll auch bei geplanten Heizungstauschen gelten. In dieser Übergangszeit können Heizungen aufgestellt und betrieben werden, die nicht den Anforderungen von 65 Prozent erneuerbarer Energien entsprechen. Gasheizungen, die auf Wasserstoff umrüstbar sein sollen, können bis zur Vorlage einer Wärmeplanung eingebaut werden. Wenn die kommunale Wärmeplanung dann aber kein Wasserstoffnetz vorsieht, gelten schrittweise Anforderungen zur Beimischung klimaneutraler Gase wie Biomethan. Ab dem Jahr 2029 muss ein Anteil von 15 Prozent, ab 2035 ein Anteil von 30 Prozent und ab 2040 ein Anteil von 60 Prozent klimaneutrale Gase genutzt werden. Der Einbau einer auf Biomasse (Holz, Pellets) basierenden Heizung soll uneingeschränkt im Alt- und Neubau möglich sein. Ursprünglich sollten wegen der Emissionen keine reinen Holzheizungen mehr zugelassen werden. Heizsysteme, die durch ihren Anteil regenerativer Energien an Relevanz gewinnen, sind Wärmepumpen, Biomasse aus Pellets, Hackschnitzel oder Holz, thermische Solaranlagen für Trinkwasser- und/oder Heizungsunterstützung, Photovoltaikanlagen zur Stromerzeugung sowie Nah- und Fernwärmenetze, wenn diese mit regenerativen Energien betrieben werden.

Tip

Fazit:

  1. Es gibt keine Förderung mehr für fossile Brennstoffe.
  2. Unter bestimmten Umständen ist es zwar möglich, weiter fossile Brennstoffe einzubauen, jedoch ist diese Entscheidung vom Hauseigentümer genau zu bedenken.
  3. In naher Zukunft zeichnet sich ab, dass fossile Brennstoffe wie Öl oder Gas durch die CO2-Besteuerung sehr teuer werden können.
  4. Es gibt zwar kein direktes Verbot, aber durch die geplante Einführung der 65 % erneuerbaren Energien fallen diese Wärmeerzeuger bald weg.

Was bedeutet energieeffizientes Wohnen?

Im Zuge der Energiewende gewinnt die energetische Sanierung von Wohnimmobilien immer mehr an Bedeutung, denn der Wohnsektor ist für einen erheblichen Anteil des Energieverbrauchs und der CO2-Emissionen verantwortlich. Eine effiziente Nutzung von Energie in Wohngebäuden ist von großer Relevanz, sowohl für den Klimaschutz als auch für die Reduzierung der Energiekosten der Bewohner. Das energieeffiziente Wohnen und die energetische Sanierung stellen also wichtige Bausteine auf dem Weg zu einer nachhaltigen Zukunft dar. Obwohl das Bewusstsein für die Bedeutung energetischer Effizienz wächst, sind viele Gebäude immer noch weit entfernt von den heutigen Standards. Durch die Fokussierung des Bundeswirtschaftsministeriums auf die Wärmepumpentechnologie kommt nicht nur ein Austausch des Wärmeerzeugers in Betracht, sondern man muss das Augenmerk auf die ganzheitliche Betrachtung des Gebäudes legen.

Beim energieeffizienten Wohnen wird der Energieverbrauch in Wohngebäuden optimiert, um Ressourcen zu schonen, Kosten zu senken und die Umweltbelastung zu reduzieren. Es beinhaltet den bewussten Einsatz von Energieressourcen und die Implementierung von Maßnahmen, die den Energieverbrauch minimieren und die Energieeffizienz eines Gebäudes steigern. Darüber hinaus umfasst energieeffizientes Wohnen auch ein bewusstes Nutzerverhalten, wie das Abschalten nicht benötigter Geräte, die Vermeidung von Stand-by-Verlusten und die Optimierung des Energieverbrauchs im Alltag.

Dach mit Solaranlage, Quelle: iStock
Dach mit Solaranlage, Quelle: iStock

Was ist die energetische Sanierung? Warum ist sie sinnvoll?

Als energetische Sanierung bezeichnet man den Prozess der Modernisierung und Verbesserung bestehender Gebäude mit dem Ziel, den Energieverbrauch zu reduzieren und die Energieeffizienz zu steigern. Es handelt sich um eine umfassende Maßnahme, bei der verschiedene Aspekte des Gebäudes betrachtet und optimiert werden, um den Energiebedarf zu senken und den Wohnkomfort zu verbessern.

Die energetische Sanierung von Wohnimmobilien hat mehrere entscheidende Vorteile. Zum einen führt sie zu einer erheblichen Reduzierung des Energieverbrauchs, wodurch der CO2-Fußabdruck des Gebäudes deutlich verringert wird. Dies trägt aktiv zum Klimaschutz bei. Zum anderen können Bewohner durch eine bessere Wärmedämmung und effizientere Heizungsanlagen ihre Energiekosten erheblich senken. Eine energetisch sanierte Immobilie bietet zudem ein verbessertes Raumklima und erhöht den Wohnkomfort.

Tip

Die energetische Sanierung führt nicht nur zu einer Reduktion Ihrer Betriebskosten, sondern hat auch nachweislich einen positiven Effekt auf den Wert und die Wertentwicklung Ihrer Immobilie. Lesen Sie weiter Details zu den Vorteilen einer energetischen Sanierung und vereinbaren Sie einen kostenlosen Beratungstermin mit uns.

Energieeffizienzklassen Immobilien, Quelle: istock
Ist eine energetische Sanierung für mein Haus sinnvoll?

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Gründe für eine energetische Sanierung

Welche Maßnahmen der energetischen Sanierung gibt es?

Es gibt eine Vielzahl von Maßnahmen, die im Rahmen der energetischen Sanierung ergriffen werden können. Dazu gehören unter anderem:

HausbereichMaßnahmen
WärmedämmungEine effiziente Wärmedämmung der Gebäudehülle, einschließlich Dach, Außenwände und Kellerdecke, reduziert den Wärmeverlust und verbessert die Energiebilanz des Gebäudes.
Fenster und TürenDer Austausch alter, schlecht isolierter Fenster und Türen durch moderne, energieeffiziente Modelle trägt zur Reduzierung von Wärmeverlusten und zur Verbesserung der Gebäudedichtigkeit bei.
Heizungs- und KühlsystemeDie Nutzung effizienter Heizungs- und Kühlsysteme wie Wärmepumpen, Brennwertkessel oder Fernwärme ermöglicht eine effiziente Wärme- und Kälteversorgung und senkt den Energiebedarf.
BeleuchtungDer Einsatz energieeffizienter Beleuchtungstechnologien wie LED-Lampen reduziert den Stromverbrauch und verlängert die Lebensdauer der Leuchtmittel.
HaustechnikDer Austausch ineffizienter Haushaltsgeräte und Beleuchtungssysteme durch energieeffiziente Alternativen reduziert den Stromverbrauch und trägt zur Gesamtenergieeffizienz des Gebäudes bei.
EnergiemanagementDie Nutzung von intelligenten Energiemanagement-Systemen, wie z.B. Smart-Home-Technologien, ermöglicht eine effiziente Steuerung und Überwachung des Energieverbrauchs im Haushalt.
Erneuerbare EnergienDie Nutzung erneuerbarer Energien wie Solarenergie durch Photovoltaikanlagen oder Solarthermieanlagen trägt zur Eigenversorgung mit grüner Energie bei und reduziert den CO2-Ausstoß.

Der Bund fördert verschiedene Maßnahmen für effiziente Gebäude. Dazu zählen die folgenden:

BereichEinzelmaßnahmen zur Sanierung von Wohn- und NichtwohngebäudenFördersatziSFP-BonusHeizungs-Bonusmax. FördersatzFachplanung und Baubegleitung
GebäudehülleDämmung von Außenwänden, Dach, Geschossdecken und Bodenflächen, Austausch von Fenstern und Außentüren, sommerlicher Wärmeschutz15 %5 %20 %50 %
Anlagetechnik (außer Heizung)Einbau / Austausch / Optimierung von Lüftungsanlagen, WG: Einbai "Efficiency Smart Home", NWG: Einbau Mess-, Steuer- und Regelungstechnik, Kältetechnik zur Raumkühlung und Einbau energieeffizienter Innenbeleuchtungssysteme15 %5 %20 %50 %
Anlagen zur Wärmeerzeugung (Heizungstechnik)Solarkollektoranlagen25 %10 %35 %50 %
Biomasseheizungen10 %10 %20 %50 %
Wärmepumpen25 %10+5 %40 %50 %
Brennstoffzellenheizung25 %10 %35 %50 %
Innovative Heizungstechnik auf Basis erneuerbarer Energien25 %10 %35 %50 %
Errichtung, Umbau und Erweiterung eines Gebäudenetzes (ohne Biomasse)30 %30 %50 %
Errichtung, Umbau und Erweiterung eines Gebäudenetzes (mit max. 25 % Biomasse für Spitzenlast)25 %25 %50 %
Errichtung, Umbau und Erweiterung eines Gebäudenetzes (mit max. 75 % Biomasse)20 %20 %50 %
Anschluss an ein Gebäudenetz25 %10 %35 %50 %
Anschluss an ein Wärmenetz30 %10 %40 %50 %
HeizungsoptimierungMaßnahmen zur Optimierung bestehender Heizungsanlagen in Bestandsgebäuden15 %5 %20 %50 %

Was macht ein Energieberater? Brauche ich einen Energieberater?

Energieberater sind Fachleute, die bei Fragen rund um Energieeffizienz, Energiesparen und energetische Gebäudesanierung beraten. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Optimierung des Energieverbrauchs und der Umsetzung von energieeffizienten Maßnahmen. Gerade in Hinblick auf die energetische Sanierung von Wohnimmobilien ist es ratsam, einen fachkundigen Experten heranzuziehen, da das Thema sehr komplex ist und es regelmäßig (Gesetzes-) Neuerungen gibt.

Ein Energieberater kennt die aktuellen Anforderungen bzgl. der energetischen Sanierung von Gebäuden, kann maßgeschneiderte Lösungen vorlegen und unterstützt Sie bei der Beantragung von Fördermitteln. Insbesondere wenn Sie beabsichtigen, Fördermittel des Bundes zu beantragen, sollten Sie eine professionelle Energieberatung durchführen, denn diese ist häufig Voraussetzung für die Ausschüttung der Fördergelder.

Wohnung Begehung Bewertung Makler bewerten Ratgeber
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Der individuelle Sanierungsfahrplan (iSFP)

Tip

Der individuelle Sanierungsfahrplan (iSFP) ist ein individuell auf Ihr Objekt zugeschnittener Leitfaden, der konkrete Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz Ihrer Immobilie sowie den anfallenden Kosten und möglichen Förderungen aufzeigt.

Der individuelle Sanierungsfahrplan (iSFP) basiert auf einer energetischen Gebäudeanalyse durch einen qualifizierten Energieberater. Dieser begutachtet das Gebäude vor Ort, nimmt eine Bestandsaufnahme der Gebäudesubstanz und der vorhandenen technischen Ausstattung vor und erfasst den energetischen Ist-Zustand des Gebäudes. Auf Grundlage dieser Analyse entwickelt der Energieberater den individuellen Sanierungsfahrplan. Dieser beinhaltet konkrete Empfehlungen und Maßnahmen zur energetischen Sanierung des Gebäudes, die auf die spezifischen Gegebenheiten und Bedürfnisse des Hausbesitzers zugeschnitten sind. Der Sanierungsfahrplan gibt einen schrittweisen Maßnahmenplan vor, der aufzeigt, in welcher Reihenfolge welche energetischen Maßnahmen sinnvoll und effizient umgesetzt werden können. Der Individuelle Sanierungsfahrplan dient als Leitfaden für Hausbesitzer, um eine strukturierte Vorgehensweise bei der energetischen Sanierung ihres Gebäudes zu haben. Er ermöglicht es, die Sanierungsmaßnahmen gezielt zu planen, die Kosten zu kalkulieren und Fördermittel optimal zu nutzen.

Was ist ein individueller Sanierungsfahrplan?

Lesen Sie in unserem Ratgeber, wie Sie einen individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) erhalten können und welche Vorteile Sie in der Förderung davon haben.

Individueller Sanierungsfahrplan

Welche Förderprogramme gibt es?

Um die energetische Sanierung für Hausbesitzer attraktiver zu machen, gibt es eine Vielzahl von Förderprogrammen und finanziellen Unterstützungen auf nationaler und regionaler Ebene. Diese umfassen Zuschüsse, zinsgünstige Kredite und Steuervergünstigungen in Höhe von bis zu 40 % der Kosten. Bekannte Förderinstitute sind beispielsweise die BAFA oder die KfW. Einen Überblick über die verschiedenen Fördermöglichkeiten haben wir in unserem Ratgeber zum Thema Förderungen für Sie zusammengestellt.

Tip

Förderprogramme in der Übersicht.

BAFA Förderung = Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) ist eine Bundesoberbehörde und setzt z.B. die Fördermaßnahmen des Bundes zur stärkeren Nutzung erneuerbarer Energien, zur Energieeinsparung und zur Reduktion klimaschädlicher Treibhausgase um. Das BAFA ist dabei auch die Bewilligungsbehörde für Förderanträge.

KFW Förderung = Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ist die größte nationale Förderbank der Welt. Sie bietet im Rahmen der KfW Förderung Hausbesitzern und Bauherren ein breites Spektrum an Finanzierungsmöglichkeiten in Form von Krediten oder Zuschüssen. Sie kann sowohl bei Bau oder Sanierung als auch beim Kauf von neuem oder saniertem Wohnraum beantragt werden.

Unsere Ratgeber zur energetischen Sanierung

FAQ zu Energetischer Sanierung

Kathrin Handler
Kathrin Handler

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